Naturschutzgebiet, Quelle: arne.list_flickr

Das Naturschutzgebiet Löcknitztal befindet sich unweit von Berlin. Etwa 4,5 Quadratkilometer umfasst das Areal, in dem rund 1400 Tier- und Pflanzenarten eine Heimat gefunden haben. So wächst hier beispielsweise das gefährdete Breitblättrige Knabenkraut. Auch viele Schmetterlingsarten sind hier heimisch. Das eigentliche Schutzobjekt im Löckwitztal sind vor allem die Blühwiesen. Um diese zu erhalten, ist jedoch der Eingriff von Menschenhand notwendig. Naturschutz durch radikale Entfernung von unerwünschten Beständen: es klingt paradox, ist aber die einzige Möglichkeit, die Artenvielfalt zu erhalten. Regelmäßig werden von den Mitgliedern der Interessengemeinschaft Löcknitztal die Blühwiesen gemäht und Bäume und Büsche entfernt.

Würde das nicht geschehen, so wäre eine prozesshafte, aber unaufhaltsame Veränderung des ökologischen Profils des Löcknitztales die Folge: die Wiesen würden über mehrere Stadien hinweg von anderen Pflanzenarten eingenommen werden, wobei konkurrenzstarke Arten die weniger starken verdrängen. In der Fachsprache heißt dieser Prozess Sukzession. Im Falle des Löcknitztales wären vor allem Tiere und Pflanzen der Offenlandschaft gefährdet, denn es würde zu einem verzahnten Gemisch von Erlen- und Weidenbrüchen führen. Der Artenverlust wäre dann nicht mehr abwendbar. Tiere wie das Braunkehlchen, die Bekassine oder Neuntöter würden verdrängt werden und in dieser Gegend aussterben.

Gerhard Ziebarth, Mitglied der IG Löcknitztal, räumt zwar ein, dass auch die Erlen- und Weidenbrüche schützenswert seien, setzt seine Prioritäten aber ganz klar bei den Blühwiesen. Deshalb wird versucht, auch einige der Busch- und Baumkulturen zu erhalten. Um diese ganze Problematik richtig verstehen zu können, muss man wissen, dass das Löcknitztal erst durch den Eingriff von Menschen seine jetzige Form erreicht hat: ursprünglich war das Gebiet vollständig mit Bäumen und Büschen überwuchert. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts fingen Bauern an, das Niedermoor zu bewirtschaften. Sie rodeten die Holzgewächse und schufen so Weiden für kleine Ziegen- und Kuhherden. Dieser Schritt machte die Entstehung der Artenvielfalt überhaupt möglich. Was durch Menschenhand begann, muss auch von ihr beendet werden, soviel steht fest. Sonst verliert das Löcknitztal wohl bald seinen Status als Naturschutzgebiet.